Bilderverbot im Islam

Liebe Leser,

dieser Artikel stammt aus einem Essay, welchen ich zum Fach Islamische Kunstgeschichte an der Universität Münster im III. Fachsemester schrieb.

 

I. Frage: Gibt es koranische Aussagen zum Bilderverbot oder zum Kultbilderverbot?

Antwort: Das sagt der Koran zum Thema Bildnis: „O ihr, die ihr glaubt; der Wein (al-hamr), das Glücksspiel (al-maysir), die Opfersteine (al-ansab) und die Lospfeile (al-azlam) sind ein Greuel von Satanwerk. Meidet es, auf das wohl ergehe.“ (Koran, 5:90) „Al-ansab“ ist die Pluralform von „an-nusub“ und bedeutet: Statue, Bildnis, Monument oder Skulptur.

II. Frage: Gibt es prophetische Aussagen (Hadithe) oder Handlungen (Sunna) zum Thema?

Antwort: Ã’iša (ra) überlieferte: „Der Prophet kam von einer Reise zurück, während ich mir einen Alkoven mit einem Tuch mit Bildern darauf verhängt hatte. Als er das sah, sagte er: Willst du denn den Alkoven mit einem Vorhang mit Bildern darauf verhängen? Und er zerriss ihn. Da machte ich zwei Kissen daraus. Ich hab es deutlich vor Augen, wie der Gesandte Gottes sich auf eines von ihnen aufstützte.

Abu Talha (ra) überlieferte: „Ich habe den Gesandten Gottes sagen hören: Die Engel betreten kein Haus, in dem sich ein Hund oder eine bildliche Darstellung befindet.“ (Buhari, Ba’d al-halq 7,2)

Als Omar bin Khattab (ra) Jerusalem einnahm, wurde er von den Kirchenvertretern zum Essen eingeladen. Daraufhin sagte Omar (ra): „Wir gehen nicht in eure Kirchen wegen den Darstellungen mit den Bildern.

Ibn Abbas (ra) pflegte in einer Kirche zu beten, außer wenn es eine Kirche mit Darstellungen war. (Buhari, Salat 54) Im Originaltext heisst die Darstellung „tamasil“ als Plural von „tamsil“ oder „timsal“. „Tamasil“ kommt im Koran im Bezug auf den Propheten Suleiman (as) vor, dass er auch diverse Darstellungen in seinem Reich hatte. „Sie machten ihm, was er wollte an Heiligtümern, Bildwerken, Schüsseln wie Trögen und feststehenden Kesseln..“ (Koran, 34:13, Khoury) Omars Einwand und der von Ibn Abbas beruhen auf die bildlichen und monumentlichen Darstellungen in den Kirchen und ähnlichen Einrichtungen.

Abu Huraira (ra) überlieferte: „Der Gesandte Gottes (saw) hat mal gesagt: Gabriel ist zu mir gekommen und hat gesagt: ich kam gestern zu dir, und da hinderte mich nichts anderes, bei dir einzutreten, als dass an der Tür Abbildungen waren, und dass im Haus ein Vorhang war, mit Abbildungen drauf, und dass im Haus ein Hund war. Ordne doch an, dass den Abbildungen der Kopf abgetrennt wird, sodass sie wie Bäume werden. Und ordne an,  dass aus dem Vorhang zwei Kissen gerissen werden, auf die man trifft. Und ordne an, dass der Hund hinaus befördert wird. Der Gesandte tat es.“  Was sich in Gestalt von Lebewesen auf einer Wand oder einem Vorhang befindet, ist wie ein Götze. Das, worauf man tritt, ist nicht wie ein Götze. Denn es ist in dem Moment nicht hochgeschätzt bzw. verehrt.

III. Frage: Wie lautet die Meinung der Rechtsgelehrten zum Thema?

Antwort: Bei den Hanafiten geht es in erster Linie um das rituelle Gebet, dass man dabei nicht gestört, beziehungsweise abgelenkt wird. Den anderen drei Rechtsschulen  ist es wichtig, dass sich die Bildnisse nicht in einem Raum befinden dürfen. Die behandeln die Hadithe in Zusammenhang von Eherecht und Hochzeitsmahl.

Der schafiitische Gelehrte Širazi schrieb in seinem Werk „Kitab al-Muhaddab“ folgendes: „Wenn der Gast bei der Einladung an einen Ort kommt, an dem sich Bilder befinden, darf er Platz nehmen, wenn die Bilder Bäumen gleichen. Wenn sie Gestalt eines Lebewesens aufweisen, darf er Platz nehmen, wenn sich diese auf dem Teppich befinden, auf den man tritt, oder auf einem Kissen, auf das man sich aufstützt. Fall sie sich jedoch an der Wand oder auf einem Vorhang befinden, der aufgehängt ist, dar er nicht Platz nehmen.“  

Wenn man kurz zusammenfassen will:

1. Das Bilderverbot beschränkt sich auf Lebewesen;

2. Diese Abbildungen dürfen nicht im Raum aufrecht stehen, sondern in Form von Kissen oder Teppichen benutzt werden;

3. Die Abbildungen sind nur mit getrenntem Kopf zu dulden.

Ibn Abidin schrieb in seinem Werk Radd al-Muhtar, dass ein Abbild von einem Nicht-Lebewesen nicht verwerflich sei, weil es nicht angebetet werde. Man soll sich beim Gebet nicht ausgerechnet auf Abbildungen prosternieren, denn das gilt auch als Verehrung des Bildes. Alle Rechtsschulen sind einig, sowie der Hanbalit Ibn Qudama in seinem Werk Kitab al-Mugni zitiert: „Wenn der Kopf eines Bild abgtrennt ist, wird die Verwerflichkeit hinfällig.“ Denn Ibn Abbas pflegte zu sagen: „Bild ist gleich Kopf; wenn der Kopf abgetrennt ist, ist es kein Bild mehr.

Am Tag des jüngsten Gerichts wird den Bildermachern gesagt, die Lebewesen gebildet haben: „Macht lebendig, was ihr erschaffen habt!“ Ibn Abidin äußert sich über die Möglichkeit, ein Bild so zu entwerten, in dem man den Kopf entfernt oder ähnliche folgenschwere Körperbeschädigung  zufügt. So sei es dem nach zu sagen, dass man Bilder oder Fotos, abgebildet nur mit dem Oberkörper, nicht zu den Verwerflichen zu zuschreiben seien.  

Auch Miniaturen (Personenabbildungen nach der chinesischen Malerei mit verstellten Gesichtszügen ohne 1:1 Abbildung), wie sie die Muslime in der Geschichte bevorzugten, sind nicht verwerflich bzw. erlaubt.

 

Quelle: Der Artikel beinhaltet teilweise Gedankengüter von Rudi Paret.

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