Die Fünf Grundprinzipien der Mutazila

Başlatan Uludağ, Haziran 11, 2020, 03:12:44 öö

« önceki - sonraki »

0 Üye ve 1 Ziyaretçi konuyu incelemekte.

Uludağ

Die fünf Prinzipien (al-uṣūl al-ḫamsa) 

Abū l-Ḥusain al-Ḫayyāṭ schrieb in seinem Werk al-Intiṣār, dass niemand zur Muʿtazila gehöre, der nicht die fünf Prinzipien vertritt. Spätestens seit al-Ḫayyāṭ sind also die fünf Prinzipien (al-uṣūl al-ḫamsa) der Konsens, durch den sich die Muʿtazila selbst definiert hat. Von al-Qāḍī ʿAbdalǧabbār existiert ein ausführlicher Kommentar zu diesen Prinzipien (Šarḥ al-uṣūl al-ḫamsa). Die Muʿtazila hatte zahlreiche Vertreter, die in vielen Punkten unterschiedliche Auffassungen vertraten. Vor allem in der frühen Muʿtazila, von der fast gar keine Literatur erhalten ist, scheint es eine große Vielfalt an Lehren gegeben zu haben und auch eine größere Bereitschaft zur philosophischen Spekulation als bei den Späteren. 

Die fünf Prinzipien der Muʿtazila sind: 

1. Tauḥīd (Einheit Gottes) 
Tauḥīd ist der islamische Begriff für den Monotheismus und an sich kein spezifisch muʿtazilitischer Begriff. Für alle Muslime ist tauḥīd die Essenz des Islam. Die Muʿtaziliten sind aber der Ansicht, dass sie das wahre Verständnis des tauḥīd besitzen. Unter tauḥīd verstehen die Muʿtaziliten die absolute Einheit Gottes, was für sie vor allem auch Einzigartigkeit Gottes bedeutet. Dies beinhaltet folgende Punkte:  Die Ablehnung des Anthropomorphismus (tašbīh) und damit verbunden die allegorische Interpretation von Passagen des qurʾān, in denen Anthropomorphismen vorkommen.  Die Ablehnung einer Schau Gottes im Jenseits.  Die Ablehnung der Vorstellung, dass Gott Eigenschaften besitzt, die eine eigene Existenz haben und von seinem Wesen getrennt existieren. Die meisten Muʿtaziliten lehrten, dass Gottes Eigenschaften identisch mit seinem Wesen seien.  Die Lehre von der Erschaffenheit des qurʾān, da nichts außer Gott ewig und unerschaffen sein könne. 

2. ʿAdl (Gerechtigkeit Gottes) 
Hierunter verstehen Muʿtaziliten, dass Gott aufgrund seines Wesens gerecht ist und niemals ungerecht sein kann. Dies beinhaltet folgende Punkte:  Gott tut weder das Böse, noch will er es. Er ist stets gerecht und kann nicht ungerecht sein.  Gut und Böse sind den Handlungen wesensmäßig zu eigen und können durch die Vernunft erkannt werden.  Die Ablehnung von Prädestinantion und Determination und die Lehre vom freien menschlichen Willen. Da Gott den Menschen belohnen und bestrafen Seite 5 von 9 möchte, bedingt seine Gerechtigkeit, dass er dem Menschen einen freien Willen geben muss, damit dieser für seine Taten verantwortlich ist.  Die Lehre, dass Gott den Menschen niemals etwas auferlegt, was diese nicht zu leisten im Stande sind.  Die Lehre, dass der Mensch Urheber seiner Handlungen ist. 

3. Al-Waʿd wa-l-waʿīd (Gottes Verheißung und Gottes Drohung) 
Aus der göttlichen Gerechtigkeit folgt für die Muʿtazila, dass Gott immer die Wahrheit sage und dementsprechend sich der Mensch auf Gottes Verheißung wie Gottes Drohung verlassen könne. Hieraus folge auch, dass der schwere Sünder, der in diesem Zustand ohne Reue stirbt, ewig in die Hölle eingehe, da Gott ihm ewige Strafe androhe und Gott weder von seiner Verheißung noch von seiner Drohung abweiche. Der reuelos sterbende schwere Sünder könne also nicht auf göttliche Vergebung hoffen. 

4. Al-Manzila baina l-manzilatain (Die Stufe zwischen den beiden Stufen) 
Die Muʿtazila lehrt, dass ein schwerer Sünder, solange er nicht bereut, weder als Gläubiger (muʾmin) noch als Ungläubiger (kāfir) bezeichnet werden könne. Eine solche Person, die als fāsiq bezeichnet wird, befinde sich auf einer Stufe zwischen den beiden Stufen. 

5. Al-Amr bi-l-maʿrūf wa-n-nahy ʿan al-munkar (Das Gute gebieten und das Schlechte verwehren) 
Diese Formulierung ist dem qurʾān entnommen und dementsprechend bei allen Muslimen bekannt und akzeptiert. Für die Muʿtazila ist dieses Konzept von zentraler Bedeutung. Unter diesen Punkt fällt für die Muʿtazila letztlich auch die historische Imamatsfrage, vor allem aber ihre allgemeine Lehre von der politischen Herrschaft. In der historischen Imamatsfrage stimmt die Muʿtazila mit den Sunniten darin überein, dass die ersten vier Kalifen als rechtmäßig betrachtet werden. Allerdings wird vielen Muʿtaziliten, vor allem aus der Schule von Baġdād, die Lehre zugeschrieben, dass ʿAlī der vorzüglichste (afḍal) der Prophetengefährten sei. Weiterhin lehrt die Muʿtazila, dass man sich gegen einen ungerechten Herrscher mit der Waffe erheben muss. In der Theorie stimmt sie also mit den Ḫawāriǧ und den Zaiditen überein. Abgesehen aber von der Unterstützung der Revolte des Ibrāhīm b. ʿAbdallāh b. al-Ḥasan b. al-Ḥasan b. ʿAlī b. Abī Ṭālib scheinen Muʿtaziliten sich nie an Aufständen beteiligt zu haben, wobei besagtes Ereignis außerdem in einer Zeit liegt, wo ohnehin alles historisch fragwürdig ist. 

Die Muʿtazila präsentiert sich uns in der Praxis als ein elitärer Gelehrtenclub mit wenig Verwurzelung in der Bevölkerung und ohne praktische revolutionäre Aktivitäten. Nach Angabe al-Balḫīs sollen gegen Ende des 3. Jh. h. die Unterstützer (anṣār) der Nachkommen des Idrīs b. Idrīs b. ʿAbdallāh b. al-Ḥasan b. alḤasan b. ʿAlī b. Abī Ṭālib in Nordafrika Muʿtaziliten gewesen sein. Die Muʿtazila hat sich gerne nach ihren beiden Hauptprinzipen auch als Ahl at-tauḥīd wa-lʿadl bezeichnet. Auch die Bezeichnungen Ahl al-ʿadl oder ʿAdlīya sind verwendet worden.
Linkback: Die Fünf Grundprinzipien der Mutazila
Linkback: Die Fünf Grundprinzipien der Mutazila


Paylaş delicious Paylaş digg Paylaş facebook Paylaş furl Paylaş linkedin Paylaş myspace Paylaş reddit Paylaş stumble Paylaş technorati Paylaş twitter Paylaş whatsapp